
Fakten
Futter
Ein kleiner Wald auf 250 m² klingt bescheiden. Aber was dort passiert, ist messbar, für das Klima, für Tiere und für die Menschen, die in der Nachbarschaft leben.
Die Wirkung
auf einen Blick
01 – Kühlung
Ein Tiny Forest kühlt seine Umgebung – besonders an heißen Sommertagen.
02 – CO₂
Er speichert doppelt so viel CO₂ wie ein traditionell aufgeforsteter Wald gleicher Größe.
03 – Artenvielfalt
Vögel, Insekten und andere Tiere finden hier einen stabilen Lebensraum.
04 – Wasser
Bei Starkregen nimmt der Wald Wasser auf wie ein Schwamm – und entlastet die Kanalisation.
05 – Luft
Er filtert Feinstaub und Schadstoffe wie Stickoxide aus der Luft.
06 – Begegnung
Er ist ein Ort zum Lernen, Treffen und Durchatmen – mitten im Kiez.
Die Miyawaki Methode
Dr. Akira Miyawaki war ein japanischer Pflanzensoziologe und Leiter des Instituts für Umweltwissenschaften und Umwelttechnologie an der Staatlichen Universität Yokohama sowie Direktor des Japanese Center for International Studies in Ecology (JISE). Zwischen 1958 und 1964 war er mehrmals in Deutschland im damaligen Bundesanstalt für Vegetationskartierung in Stolzenau, Niedersachsen, wo er wissenschaftlicher Mitarbeiter von Reinhold Tüxen arbeitete. Inspiriert von dem Konzept der potentiell natürlichen Vegetation (pnV), entwickelte Miyawaki eine Methodik, um stabile Mischwaldsysteme auf degradierten, humusarmen Standorten in kurzer Zeit wiederherzustellen. Die Miywaki-Methode basiert im Grundsatz auf folgenden Prinzipien:
• Bodenverbesserung: Die Qualität des Bodens wird verbessert, um optimale Bedingungen für das Pflanzenwachstum zu schaffen. Hierbei geht es um die Erhöhung des Humusgehalt im Oberboden sowie die Innokulation mit Mikroorganismen und Mykorrhizen.
• Artenreiche Auswahl: Die Methode betont die Verwendung von heimischen Pflanzenarten, die natürlicherweise in der Region vorkommen. Bei der Artenauswahl dient die pnV als Orientierung. Die Auswahl einer breiten Palette von einheimischen Arten trägt dazu bei, einen robusten und biodiversen Wald zu schaffen.
• Dichte Pflanzung: Die Pflanzen werden in hoher Dichte gepflanzt (3-5 pro m²), um die natürliche Konkurrenz zwischen den Pflanzen zu fördern. Hierbei orientiert man sich an der Dichte der Naturverjüngungn. Dies trägt dazu bei, dass sich der Wald schneller entwickelt, da die Pflanzen um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Außerdem entsteht so rasch eine vollständige Beschattung des Bodens, was eine Vergrasung effektiv unterbindet.
• Schichtung der Pflanzen: Die Pflanzen werden in verschiedenen Schichten angeordnet, ähnlich der natürlichen Struktur eines Waldes. Dazu gehören Bodendecker, Sträucher, kleine Bäume und große Bäume. Diese Schichtung fördert die Vielfalt und schafft verschiedene Lebensräume für Tiere.
Kleine Wälder mit großer Wirkung
Tiny Forests werden besonders dicht bepflanzt, wodurch sich die Pflanzen gegenseitig beim Wachstum unterstützen und schneller stabile kleine Ökosysteme entstehen können. Bereits nach wenigen Jahren entwickeln sich daraus artenreiche Miniwälder mit hoher ökologischer Wirkung. Sie verbessern die Biodiversität, speichern Wasser, reduzieren Hitze und schaffen neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen mitten im urbanen Raum.
Doch Tiny Forests sind mehr als reine Begrünung. Sie verbinden ökologische Wirkung mit sozialem Mehrwert und zeigen, wie viel Veränderung selbst auf kleinen Flächen möglich ist. Pflanzaktionen bringen Menschen zusammen, schaffen neue Beziehungen im Kiez und machen Klimaanpassung sichtbar, greifbar und gemeinschaftlich erlebbar. So entstehen nicht nur neue Wälder, sondern langfristig auch neue Verbindungen zwischen Stadt, Natur und den Menschen, die dort leben.
Natur reduziert Stress
Der Zugang zu Natur wirkt sich nachweislich positiv auf das menschliche Wohlbefinden aus. Schon kurze Aufenthalte in naturnahen Umgebungen können Stress reduzieren, die Konzentration fördern und das allgemeine Wohlbefinden stärken. Gerade in dicht bebauten Stadtquartieren fehlen jedoch häufig Orte, an denen Menschen kurz zur Ruhe kommen, durchatmen oder Abstand vom urbanen Alltag gewinnen können.
Tiny Forests schaffen genau solche Räume mitten in der Stadt. Sie bringen Natur dorthin zurück, wo vorher oft nur versiegelte oder wenig genutzte Flächen waren, und machen ökologische Veränderung direkt im Alltag erlebbar. Durch ihre dichte Bepflanzung entstehen lebendige kleine Rückzugsorte, die Schatten spenden, das Mikroklima verbessern und eine neue Atmosphäre im Quartier schaffen. Gleichzeitig fördern sie Begegnung, Austausch und gemeinschaftliches Engagement zwischen Nachbar*innen, Schulen, Initiativen und freiwilligen Helfer*innen.
