29.11.2024

FAHRBEREITSCHAFT

Herzbergstraße 40–43 10365 Berlin

60+

Helfer:innen

250

Fläche

645

und Sträucher

Auf dem Kunst- und Gewerbehof FAHRBEREITSCHAFT in Berlin-Lichtenberg sind am 29. November 2024 neue Nachbarn eingezogen. Bei einer großen Pflanzaktion haben mehr als 60 Freiwillige 645 Bäume und Sträucher in den Boden gebracht. Dank der dichten Bepflanzung wird der Tiny Forest schon in wenigen Jahren ein wertvolles kleines Ökosystem bilden. Die 250 m² große Fläche bietet Vögeln und Insekten Nahrung und Unterschlupf und kühlt im Sommer die Umgebung. Der Miniwald ist damit eine schöne Ergänzung zu dem lebendigen Miteinander von Künstler:innen und Gewerbetreibenden auf dem historischen Gelände.

Gemeinsam entsteht ein neuer Miniwald

Als die ersten Freiwilligen bei der FAHRBEREITSCHAFT eintrafen, war schon alles bestens vorbereitet. Die Setzlinge standen ebenso bereit wie Schaufeln und Gießkannen. Es gab eine Feuerschale zum Aufwärmen und jede Menge Mulch, um die Fläche am Ende mit einer schützenden Schicht zu bedecken.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es direkt los: Die Helferinnen und Helfer gruben kleine Löcher, setzten die Setzlinge hinein, traten die Erde vorsichtig fest und gönnten ihnen zum Schluss noch einen ordentlichen Schluck Wasser, damit sie gut anwachsen können.

Zum Pflanztag waren nicht nur Mieterinnen und Mieter der FAHRBEREITSCHAFT gekommen, sondern mehr als 60 Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Neben Kindern, die ausgelassen auf dem Gelände herumtobten, packten auch 20 Mitarbeitende von Amazon kräftig mit an. Merlin Fürstenberg vom Familienzentrum „aufatmen“ war ebenso dabei wie einige Freiwillige vom Netzwerk der Wärme, einem früheren Projekt der KARUNA eG. Den strahlenden Gesichtern konnte man ansehen, dass sich die unterschiedlichen Gruppen schnell zusammengefunden hatten und viel Spaß beim gemeinsamen Pflanzen hatten. Auch der RBB war vor Ort und hat die besondere Stimmung des Tages in einem Beitrag eingefangen.

Ein grünes Zeichen mitten im Industriegebiet

Dass ausgerechnet an dieser Stelle ein kleiner Wald entsteht, hat eine besondere Vorgeschichte.

„Nachdem wir für diese Fläche die gewünschte Baugenehmigung für eine kulturelle Nutzung nicht erhalten hatten, haben wir beschlossen, mit dem Tiny Forest ein Zeichen zu setzen und mitten im Industriegebiet Herzbergstraße einen Ort zu schaffen, der ökologisch sinnvoll ist“, so Axel Haubrok, Besitzer des Geländes.

Ein Gelände mit Geschichte

Die Gebäude der FAHRBEREITSCHAFT, darunter eine originale DDR-Bar und eine Kegelbahn, stammen größtenteils aus den 50er Jahren. Vor dem Fall der Mauer organisierte die „Abteilung Transport“ des Zentralkomitees der SED von hier aus den hochrangigen Personenverkehr in und aus der ehemaligen DDR.

Heute verbindet sich die geschichtsträchtige Architektur mit dem Alltag von etwa 35 bildenden Künstler:innen, Tänzer:innen und Musiker:innen, die hier ihre Atelier- und Proberäume gefunden haben. Gleichzeitig wird das Gelände gewerblich genutzt. Eine Bilderrahmenproduktion, eine Autolackiererei, eine KFZ-Reparaturwerkstatt, ein Bootsbauer, ein Tonstudio und eine Druckerei gehören ebenfalls zur FAHRBEREITSCHAFT. So ist über die Jahre eine ungewöhnliche Mischung aus Kunst, Kultur und Gewerbe entstanden, die in dieser Form nur selten zu finden ist.

Mehr als nur ein kleiner Wald

Der neue Tiny Forest soll nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen schaffen, sondern auch als natürlicher Schallschutz zur Straße neben der FAHRBEREITSCHAFT dienen. Weil direkt neben dem Gehsteig keine großen Bäume gepflanzt werden dürfen, wurde die Fläche in zwei Streifen aufgeteilt. Auf der Straßenseite wachsen künftig vor allem Büsche, auf der Innenseite auch Bäume.

Wie Bruno Göbel von MIYA forest e. V. erklärte, wurden außerdem essbare Pflanzen wie Holunder, Esskastanien, Maulbeeren und Aronia gepflanzt. So soll der kleine Wald nicht nur für Tiere, sondern auch für die Menschen in der Umgebung interessant werden.

Zum Abschluss des Pflanztages wurde die gesamte Fläche mit einer schützenden Schicht aus Mulch bedeckt. Sie hilft den jungen Bäumen und Sträuchern dabei, in Ruhe anzuwachsen, ohne sofort von anderen Pflanzen überwuchert zu werden. Damit die Setzlinge nicht von Rehen angeknabbert werden, wurde der Miniwald außerdem eingezäunt.

Verschlossen ist er deshalb aber nicht. Durch ein Tor kann die Fläche weiterhin betreten werden, zum Beispiel von den Bürgerwissenschaftler:innen, die im Rahmen eines Citizen-Science-Programms beobachten und dokumentieren, wie sich der junge Wald in den kommenden Jahren entwickelt.

Und wie geht es weiter?

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserem Angebot so unterschiedliche Gruppen aktiviert haben und dass die Zusammenarbeit so viel Spaß gemacht hat“, sagt Isabell Steiner. „Wer von dem Pflanztag begeistert ist und gerne selbst einen Tiny Forest pflanzen möchte, kann sich einfach bei mir melden. Wir suchen weiterhin nach Flächen!“