Was hier
alles wächst.

Ein Tiny Forest braucht nicht viel Platz, um etwas zu verändern. Zwischen jungen Bäumen und dichtem Grün entstehen neue Lebensräume, die Luft wird kühler, Regenwasser findet seinen Weg in den Boden und mitten in der Stadt wächst ein kleines Stück Natur heran.

Und mit jedem Jahr wird es ein bisschen mehr.

Tiny Forests sind dichte, artenreiche Miniwälder, die nach der Miyawaki-Methode auf kleinen urbanen Flächen entstehen. Auf bislang wenig genutzten Orten wachsen heimische und klimaangepasste Bäume und Sträucher eng zusammen und entwickeln innerhalb weniger Jahre stabile kleine Ökosysteme. Sie fördern Biodiversität, verbessern das Mikroklima, speichern Wasser und schaffen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Für uns sind Tiny Forests aber mehr als Begrünung. Sie machen Klimaanpassung sichtbar, greifbar und gemeinschaftlich. Deshalb entstehen unsere Wälder immer gemeinsam mit Nachbarschaften, Schulen, Freiwilligen und lokalen Partnern. So wachsen nicht nur Bäume, sondern auch Verantwortung, Begegnung und ein neues Verhältnis zwischen Stadt und Natur.

Eine Erfindung aus Japan

Ein Tiny Forest ist eine kleine grüne Oase, die schon auf einer Fläche von 100 m2 entstehen kann. Das Geheimnis ist die dichte Bepflanzung: Weil die Bäume und Sträucher dicht nebeneinander stehen, wachsen sie besonders schnell. Dadurch speichern sie in der gleichen Zeit doppelt so viel CO2 wie traditionell aufgeforstete Flächen.

Aber das ist noch längst nicht alles: Die kleinen Urwälder kühlen im Sommer die Luft und leisten damit einen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel. Sie binden Staub und Luftschadstoffe und nehmen bei Regen Wasser auf. Für uns Menschen sind sie außerdem ein Ort der Bildung, der Begegnung und der Erholung. Und für zahlreiche Schmetterlinge, Vögel und bestäubende Insekten bieten sie einen stabilen und resilienten Lebensraum.

Es gibt schon über 1.700 Tiny Forests

Die Bezeichnung „Tiny Forest“ ist geschützt und bezeichnet einen kleinen Wald, der nach einer ganz bestimmten Methode angepflanzt wird. Entwickelt wurde sie von dem japanischen Botaniker Akira Miyawaki. Er hat mit seinen Ideen zahllose Menschen inspiriert und bis zu seinem Tod an der Pflanzung von 1.700 kleinen Wäldern und 40 Millionen Bäumen mitgewirkt.

Warum stehen die Bäume so dicht?

Drei bis fünf Pflanzen pro Quadratmeter sind für einen Wald erst einmal ziemlich viel. Genau diese Dichte gehört aber zum Prinzip der Miyawaki Methode.

Die jungen Pflanzen konkurrieren von Anfang an um Licht, Wasser und Nährstoffe. Dadurch entwickelt sich der Wald schnell in die Höhe und schließt schon früh seine Kronen. Am Boden entsteht Schatten, Gräser werden zurückgedrängt und nach und nach bildet sich das typische feuchte, geschützte Milieu eines Waldes.

Was hat der Boden damit zu tun?

Bevor der erste Baum gepflanzt wird, beginnt die Arbeit unter der Erde. Denn ein Tiny Forest kann sich nur gut entwickeln, wenn auch der Boden mitspielt.

Bei der Miyawaki Methode wird deshalb zunächst die Bodenqualität verbessert. Ziel ist ein humusreicher, biologisch aktiver Boden, in dem die jungen Pflanzen gut wurzeln können. Dazu gehört auch die Arbeit mit Mikroorganismen und Mykorrhiza Pilzen. Erst danach kommt das, was später sichtbar wird: der Wald.

Warum wachsen dort so viele verschiedene Arten?

Ein Tiny Forest soll kein gleichförmiger Bestand aus einer oder zwei Baumarten werden. Die Auswahl orientiert sich daran, welche heimischen Pflanzen natürlicherweise an diesem Standort vorkommen würden.

Dabei werden bewusst unterschiedliche Arten und Wuchshöhen miteinander kombiniert. Bodennahes Grün, Sträucher sowie kleinere und größere Bäume schaffen mit der Zeit verschiedene Ebenen. Und genau diese Vielfalt macht den Wald auch für Tiere interessant, weil ganz unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum entstehen.

Wie schnell wird daraus ein Wald?

Erstaunlich schnell. Untersuchungen zeigen, dass sich Pflanzungen nach der Miyawaki Methode schneller zu stabilen Ökosystemen entwickeln können als herkömmliche Vergleichspflanzungen.

Wie dicht und vielschichtig sie dabei werden können, zeigen unter anderem Untersuchungen aus Belgien: Bereits nach knapp sechs Jahren hatten die untersuchten Miyawaki Wälder eine ausgeprägte Dichte und Vertikalstruktur entwickelt.

Was bringt das der Stadt?

Ein Tiny Forest ist nicht nur schön grün. Seine dichte Vegetation kann im Sommer Schatten spenden und durch Verdunstung die Umgebung kühlen. In Untersuchungen wurde eine Abkühlung der Luft um 1 bis 1,48 °C gemessen, beim Boden waren es sogar 6,4 °C.

Tiny Forest_Aktueller Forschungsstand.pdf

Auch Regenwasser spielt eine Rolle. Untersuchte Tiny Forests in den Niederlanden nahmen rund 200.000 Liter Niederschlagswasser pro Jahr auf. Ein Teil davon gelangte in tiefere Bodenschichten, ein anderer Teil wurde über die Pflanzen wieder an die Atmosphäre abgegeben. Gerade im Sommer trägt diese Verdunstung wiederum zur Kühlung bei.

Wie viel Leben passt in so einen Tiny Forest

Offenbar ziemlich viel. In zwei niederländischen Tiny Forests mit jeweils etwa 250 Quadratmetern wurden 176 Tierarten aus 30 Familien beobachtet. Eine weitere Untersuchung erfasste an elf Standorten insgesamt 934 verschiedene Pflanzen und Tierarten.

Interessant ist auch das, was man nicht sieht: Bereits innerhalb von zwei Jahren waren in einem untersuchten Tiny Forest die Konzentrationen von Bodenbakterien und Pilzen mit denen eines ausgewachsenen Waldes vergleichbar.

Was ist mit dem CO₂?

Ein Tiny Forest ist nicht nur schön grün. Seine dichte Vegetation kann im Sommer Schatten spenden und durch Verdunstung die Umgebung kühlen. In Untersuchungen wurde eine Abkühlung der Luft um 1 bis 1,48 °C gemessen, beim Boden waren es sogar 6,4 °C.

Tiny Forest_Aktueller Forschungsstand.pdf

Auch Regenwasser spielt eine Rolle. Untersuchte Tiny Forests in den Niederlanden nahmen rund 200.000 Liter Niederschlagswasser pro Jahr auf. Ein Teil davon gelangte in tiefere Bodenschichten, ein anderer Teil wurde über die Pflanzen wieder an die Atmosphäre abgegeben. Gerade im Sommer trägt diese Verdunstung wiederum zur Kühlung bei.